Nunc vos potentes omnes herbas deprecor,
exoro vos maiestatemque vestram,
quas parens tellus generavit
et cunctis gentibus dono dedit medicinam sanitatis.
Jetzt rufe ich euch an, ihr mächtigen Kräuter, und ich flehe zu eurer Majestät: denn euch hat die Mutter Erde erzeugt und allen Völkern als Arznei zur Heilung geschenkt. (Anruf der Rhizotome des Altertums, ehe sie sich ans Werk begaben) zu finden mit Quellenangabe in Julius Mezger Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Bd. I, 3. Seite Heft im pdf-Format (1.297 KB)
Editorial Arzneiherstellung im Labor Gudjons Erlebte Arzneien Erlebnisberichte der Phosphorverreibung Phosphor: in der Ambivalenz von Licht und Schatten Editorial Geschrieben von Brita Gudjons Am 9. und 10. April 1987 habe ich Mezereum, den Seidelbast, als erste Arznei durch Verreibung der frischen Zweigrinde von Daphne mezereum auf C1, C2, C3 hergestellt. Diese Arbeit fand in der Apotheke am Atzelberg in Frankfurt zufällig zu Hahnemanns Geburtstag statt. Wie schnell sind diese 20 Jahre vergangen! Die Zeit fließt schneller und schneller dahin. 24 Stunden sind schon lange nicht mehr, was sie einmal waren. Immer wenn ich von meiner Arbeit aufschaue, so wie ein Maulwurf, der gelegentlich einmal aus der Erde in das Tageslicht eintaucht, ist wieder 1 Jahr vorbei. Wie kann das sein? Was geht hier vor? Hat sich die Qualität der Zeit verändert? Nach meinem Erleben ja. In dieser Jubiläums-Ausgabe von Gudjons-aktuell finden Sie eine Beschreibung der Entwicklungsstufen des Labors und die Geschichte meiner Arzneiherstellung, die zu einem guten Teil auch meine Geschichte ist. Arzneiverreibung hat mein Leben ganz besonders geprägt. Frau Dr. Barbara Bichsel analysiert und erklärt die Arzneiverreibung aus dem Erleben und Denken heutiger homöopathischer Ärzte. Die Veränderung der Zeitqualität sehe ich am deutlichsten in der Erweiterung des Bewusstseins der Menschen von heute, was sich auch in dem genannten Artikel andeutet. Ein Geburtstagsgeschenk von Herrn Dr. Hadulla, ein Päckchen Phosphor, finden Sie auf Seite 29 und die Geburtstagsbonbons an Sie, meine verehrten Leser und Freunde der Homöopathie, können Sie auf der letzten Seite auswickeln… B. Gudjons ![]() |
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Arzneiherstellung im Labor Gudjons
Geschrieben von Brita Gudjons
Apotheke am Atzelberg Frankf./Main „Wir leben in einer ganz besonderen, jedoch sehr gefährlichen Zeit, in der eine neue globale Kultur allen Widerständen zum Trotz allmählich Gestalt annimmt. Die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens ist die Herausforderung unserer Zeit. Es ist unbedingt erforderlich, dass dieser Prozess sich auf der Ebene der Wissenschaften vom Heilen vollzieht. Heilen bedeutet stets, zur Einheit finden. Wenn unser heilkundliches Wissen nicht integriert werden kann, wie können wir als Menschen untereinander zur Einheit finden?“ Diese Zeilen, dem Vorwort eines Buches über ayurvedische Kräuterheilkunde(1) entnommen, seien als Einleitung gewählt, da sie ebenso für die Homöopathie gelten. Als Mitte der 60iger Jahre die Entscheidung zu meinem Pharmaziestudium fiel, konnte ich die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens weder denken noch ahnen. Mein Weltbild wurde gerade durch das universitäre und materiell-mechanistische Denken strukturiert. Im Studienablauf gab es ein paar Tage, die der Homöopathie gewidmet waren. Alle Studenten, auch der Professor, waren sich darüber einig, dass es sich dabei um etwas Obskures handele und man pharmazeutisch gesehen lediglich über die Verdünnungsunterschiede zwischen D- und C-Potenzen und die Technik des Vorgehens beim Potenzieren reden könne. ![]() Apotheke am Atzelberg Frankf./Main Die Tür zur Homöopathie öffnete mir Dr. Mathias Dorcsi 1976 in einem Seminar in Baden bei Wien – und eine unglaubliche Heilung durch 3 kleine weiße Zuckerkügelchen. Die Vorträge von Dr. Dorcsi beeindruckten mich derartig, dass ich in eine regelrechte Seminareuphorie verfiel. Dieser Zustand, scheinbar bedingt durch den Eintritt in neue Welten, löste eine Sucht aus, die ich nur durch Teilnahme an allen damals angebotenen Homöopathie-Fortbildungen befriedigen konnte, angefangen von den Repertorisationskursen auf Spiekeroog mit Dr. Künzli, Dr.von Ungern-Sternberg und Dr. Tiedemann, die Bad Brückenauer A-B-C-Kurse und solchen im Krankenhaus für Naturheilweisen in München Harlaching unter Dr. Braun und Dr. Zimmermann bis hin zu den Homöopathie-Tagen auf Schloss Weidenkam von Dr. Stübler. Tagungen bei der Fa. Wala und Weleda eröffneten mir den Blick in die Geisteswissenschaften. Die Bücherberge um mein Bett herum wurden immer höher. 1978/79 fing ich neben meiner täglichen Apothekenarbeit in einer Heilpraktikerpraxis mit dem Ausarbeiten von Anamnesen an, damals noch mit den Repertorisationsbögen, die der eine oder andere von Ihnen sicher noch kennt. Die tägliche Beratung in der Apotheke wurde zu einer Homöopathie-Beratung und damit zu meinem Rettungsanker. Wie hätte ich sonst Apothekerin bleiben können, wenn mir meine allopathischen Mittel und Ärzte nicht einmal selber helfen konnten? In einem mir selbst zunächst unbewussten, langsam fortschreitenden Prozess bildeten sich Wege zu den neuen Themen meines Lebens. Dieser Prozess war begleitet von einer Umwandlung meines Bewusstseins und Weltbildes: aus der Welt der Naturwissenschaft meiner Studienzeit zu einer Welt der Energiestrukturen als Information in materiellen und materiefreien Zuständen und geisteswissenschaftlichen Sphären. Es ging auch darum, eine rational lineare Denkweise zu verlassen. Es ging um ein Bemühen eines nichtlinearen Vorgehens mit intensiver Sicht auf das Ganze anstelle von Betrachtung und Analyse „mikroskopischer Teile“(2). ![]() Apotheke am Atzelberg Frankf./Main Diesen Standort musste ich dann endlich aufgeben, oder besser gesagt, in einen Ort der Demut umwandeln, der nun heißt: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Zu einem zentralen Thema wurde die Frage: „Was ist Materie? Was potenzieren wir eigentlich? Und was geschieht mit der Materie in diesem Prozess?“ Die Berge der Bücher um mein Bett herum wurden noch höher…. Die Antwort auf die Frage: „Was ist Materie?“ suchte ich bei den Schöpfungsmythen der verschiedenen Religionen und in der Physik, bei den Schamanen der Indianer und Hawaianer, bei Rudolf Steiner und Frau Blawatzki, bei Alchemisten und in den Veden… Auf dem Weg von fester Materie zu Schwingungsmustern, von Naturwissenschaft zu Geisteswissenschaft fand ich Tore zu vielen verschiedenen Welten in unserem Kosmos. Mit Staunen und Ergriffenheit lernte ich aus den Büchern von indianischen Schamanen, wie dem vom „Weißen Adler“, den Umgang mit Pflanzen und allen Wesen der Natur. Capra verblüffte mich mit der Aussage, das Entstehen der kleinsten Materieteilchen vorwärts und rückwärts in der Zeit erinnere ihn an den Tanz des Shiva(3). Der “Tanz des Shiva“ wurde zur Weichenstellung in der Hindu-Philosophie und den Veden. Bei Maharshi, dem Meister vom Berg Arunachala in Tiruannamalai erkannte ich das „Ich bin“, das mich zurück zur Mystik des Christentums führte. Yoganada half mir, ein nicht lineares Denken zu akzeptieren. Bei Frau Dr. von Ungern-Sternberg in Bochum lernte ich die Bedeutung der Intention als entscheidende Energie zu erkennen, die den Wert der Gedanken und Taten in unserem Leben bestimmt. Von Dora Schmidt–Nagel, die bekanntlich eine Anhängerin der Hindu-Philosophie war, lernte ich, den Wert einer Arbeit mit der Arznei in einem meditativen Zustand schätzen. Das sind nur einige Beispiele, die sich nicht alle auf die Vorbereitung zur Arzneiherstellung, sondern auch auf meine persönliche Weiterentwicklung auswirkten. Meine Lehrer der Homöopathie ![]() Prof. Junius in der Apotheke beim Atzelberg Dr. Gypser wusste immer Themen in der Homöopathie, die der weiteren Erforschung bedurften, um „die Homöopathie dort auf feste Säulen zu stellen, wo der Untergrund sumpfig war“, wie er zu sagen pflegte. Ulrike Schober, Andreas Grimm und ich bildeten eine kleine Arbeitsgruppe, die unter seiner Anleitung unklare Quellen von Ausgangssubstanzen bearbeiteten. So entstanden die Artikel über Bryonia, Murex, Causticum, Hekla lava und die Spinnen, die in den Zeitschriften AHZ und KH veröffentlicht wurden. Herr Dr. Gypser hatte sich mit der Entstehung der Repertorien und der Herkunft der einzelnen Teile aus Arbeiten verschiedener Ärzte, wie z.B. Hahnemann, Kent und Hering, genauer befasst und wusste daher, dass Prüfungssymptome gleicher Arzneien aus Prüfungen verschiedener Ärzte stammten und die Übereinstimmung der Ausgangsstoffe zur jeweiligen Arznei nicht immer gegeben war. Es ist ja leicht nachzuvollziehen, dass der Therapeut die Arznei für seinen Patienten verwenden möchte, die die Symptome im Repertorium verursacht hat. Ein Gedanke, der den Autoren des HAB zunächst fremd war. Hier ist zu erkennen, warum Hahnemann seinen Patienten die Arznei aus eigener Hand geben, ja diese selbst herstellen wollte (§264, Organon der Heilkunst, VI Aufl.). Die Herstellung Nach meinem Kenntnisstand der besuchten Fortbildungsveranstaltungen dachte ich zunächst an die Herstellung von C-Potenzen. Peter Bartel überzeugte mich, mit den Q-Potenzen anzufangen. Es erschien mir auch logisch, die Arzneien herzustellen, die Hahnemanns letztem Entwicklungsstand entsprachen. So entstand am 9. und 10. April 1987 Mezereum als erste Arznei durch eine Lactose-Verreibung C1, C2, C3 und den anschließenden Schritten, wie im §270, Organon der Heilkunst, VI. Aufl., beschrieben. Damals war mir gar nicht aufgefallen, daß der 10. April Hahnemanns Geburtstag war. In den folgenden 10 Jahren wurde Hahnemanns Geburtstag in jedem Jahr mit den Ärzten meiner Umgebung ausgiebig gefeiert. Beim Verreiben von Mezereum fühlte ich mich von einem heißen Wüstenwind angeblasen. Beim Verreiben von Symphytum entstand der Eindruck, in ein wunderweiches, kühlendes Gel eingehüllt zu werden. Mit Dr. Gypser als Mentor und Diskussionspartner zum Thema „wie stellt man eine optimale Arznei mit hoher Qualität her“, entstanden im ersten Jahr etwa 80 Arzneien bis Q 12. Die erste Beurteilung der Wirkungsweise der Arzneien durch bekannte Ärzte fiel sehr gut aus. Die Ausgangsstoffe ![]() Mitglieder der Bönninghausen-Arbeitsgemeinschaft 6. Mai 1995 Arzneien, die zu Zeiten von Hering und anderen Prüfern Eingang in die Therapie fanden, wurden nach alten Synthesevorschriften von Herrn Venzago, einem Schweizer Chemiker, im Apothekenlabor der Apotheke am Atzelberg in Frankfurt hergestellt, die ich damals betrieb. 1990 erteilte mir die zuständige Aufsichtsbehörde in Darmstadt auf Antrag eine Herstellungserlaubnis nach Hahnemanns Arbeitsweise, die ich genau beschrieben mit Kopie der Originalliteratur eingereicht hatte. Umzug nach Bayern ![]() Labor Gudjons in Deuringen ![]() Eingang zum Labor Gudjons Registrierungen und Ablage von Dokumentationsblätter der täglich hergestellten Arzneien, auch wenn es nur eine einzige war (mit je 3 Unterschriften) füllen nun meterlang die Regale in Büro und Keller. Das dämpft den Enthusiasmus und die Arbeitsfreude erheblich, treibt die Kosten in die Höhe und verwandelt einen Arzneihersteller in einen Papierfabrikanten ... Auf Betreiben eines Mitbewerbers wurde die Gültigkeit meiner Herstellungserlaubnis angefochten, die ich anschließend nach einem 3-jährigen Prozess mit dem Bundesgesundheitsamt verlor. Jetzt habe ich eine Herstellungserlaubnis nach §13 AMG. In Deutschland kann ein Arzneihersteller seine Arzneien nur vertreiben, wenn er nach dem gültigen Arzneibuch, in meinem Fall dem HAB, arbeitet. ![]() Papierkriegerin im Labor Diese Tatsache führte zu erheblichen Beulen in meinem Emotionalkörper mit Folgen auf den physischen Anteil meiner Wenigkeit. Ab 1998, im Zuge des BSE-Wahnsinns in Europa, bedurften alle tierisch-organischen Arzneien, zu denen auch die Nosoden zählen, einer Registrierung für den Vertrieb. Eine Registrierung bei unserer staatlichen Gesundheitsbehörde zu erlangen, ist ein weiteres großes und kostenaufwändiges Kapitel, das ich hier nur andeuten möchte. Verreibungen Menschen wie Frau Dr. von Ungern-Sternberg, Raimund Kastner und Dr. Stübler, denen ich den Verdacht gestanden hatte, trösteten mich mit der Antwort: „Es ist alles in Ordnung, es handelt sich um die Realität einer anderen Ebene.“ Trotzdem habe ich ein paar Jahre lang nicht öffentlich über diese Angelegenheit gesprochen. Bei den täglichen Verreibungen entstand eine Art von Begrüßungsritual und Bitte um Mitarbeit des Arzneiwesens bei der Herstellung einer Arznei für die Menschen. Mein Gruß war ein Strahl von Liebesenergie aus meinem Herzen, den ich in dem meditativen Zustand bei der Arbeit genauso sehen konnte, wie die Reaktion der Arzneiwesen und ihre Gaben, die sie auf meinen Wunsch in die Reibeschale legten. Alle Wesen reagierten mit Freude und Dankbarkeit. Gerade der Ausdruck ihrer Dankbarkeit hat mich oft bis zu Tränen gerührt. Das Ergebnis dieser Begegnungen sind acht gefüllte Aktenordner mit Notizen und Verreibeberichten sowie den Protokollen der Verreibe-Seminare für Therapeuten, die eben das selber einmal erleben wollten. Bis heute weiß ich nicht genau, woher die Bilder, die wahrgenommen werden, stammen. ![]() Labor Gudjons – Ostansicht Fussnoten: |
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Erlebte Arzneien
Geschrieben von Dr. p. Strub, Dr. P. Mattmann, Dr. B. Bichsel Vor 15 Jahren fanden sich im Anschluß an Seminarien, die von Dr. A. Masi-Elizalde in Deutschland und der Schweiz gehalten wurden, einige wenige interessierte homöopathische Ärzte, um sich dem vertieften Studium der homöopathisch verwendeten Arzneimittel zu widmen. Im Laufe der Jahre entstand daraus die Interessengemeinschaft Homöopathie und geisteswissenschaftlich erweiterte Hausarztmedizin. Aktuell gehören der Gruppe Ärzte, Apotheker, Tierärzte und Heilpraktiker an. ![]() Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006 Seit 10 Jahren führen wir nun Seminarien zur Erarbeitung von bekannteren und weniger bekannten Arzneimitteln durch; u.a. bearbeiteten wir Natrium muriaticum, Sepia, Lycopodium, Phosphor, Kalium carbonicum, Quercus, Castanea, Taxus, Drosera und Hedera nach dieser Methode. Unsere Schwerpunkte sind einerseits die Erarbeitung von Polychresten, damit wir diese besser verstehen und gezielter einsetzen können. Andererseits möchten wir Arzneimittel erarbeiten, die in unserem Kulturkreis seit längerer Zeit als Heilmittel bekannt sind, aber schlecht oder gar nicht homöopathisch geprüft sind. ![]() Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006 Kontakte zu unserer Gruppe sind möglich über www.IGEH.ch Methodik Für die Verschreibung eines homöopathischen Medikamentes ist nach den Regeln der Homöopathie die Ähnlichkeit zwischen Krankheitsbild und dem Arzneimittelbild maßgebend. Ähnlichkeit bezeichnet die Übereinstimmung im Wesen, die anhand von charakteristischen, eigenheitlichen und besonderen Symptomen gefunden wird. ![]() Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006 So hat die Einsicht, dass eine Ähnlichkeit nur zwischen Bildern gefunden werden kann, immer wieder Homöopathen dazu motiviert, die gegebenen Symptomenreihen zu einem allgemein gültigen Bild zu beleben. Die meisten zeitgenössischen Homöopathinnen und Homöopathen arbeiten mit sog. „Essenzen“, die das Wesen der Arznei zu beschreiben versuchen. Für die phänomenologische Betrachtung ist die philosophische Frage, ob einer Substanz ein Wesen zukommt, d.h. ob sie Bedeutung und Sinn hat, müßig, denn hier gibt es erkenntnistheoretisch keine vom Subjekt unabhängige objektive Welt. Diese entsteht allein im Bewusstsein des erkennenden Subjekts, das stets intentional ist, d.h. auf einen äußeren oder inneren Gegenstand ausgerichtet ist. Wir können die Dinge gar nicht erkennen, ohne ihnen eine Bedeutung, einen Sinn zu geben. ![]() Gespräche unter dem Eichenbaum am Seminarort Die Feststellung, dass von ein und derselben Substanz viele, oft sehr verschiedene Arzneimittelbilder entworfen werden können, sollte jedoch eine Aufforderung sein, die Methodik zu hinterfragen, denn ein eindeutiges und allgemein gültiges Bild darf nicht vom Standpunkt eines Autors abhängen, sondern einzig von der Substanz selber. Es muss also eine Methode gefordert werden, die die Symptomenreihe eines Arzneimittels nach der Wirklichkeit der Substanz ordnet. Die Arzneimittelbild-Forschung, die vom argentinischen Homöopathen Dr. Alfonso Masi-Elizalde entwickelt wurde, war eine Antwort auf diese unbefriedigende Situation. Masi bezeichnete die heutige Homöopathie als ein „nouveau-né“, ein Neugeborenes: Die Methode steckt noch in den Anfängen. Wir kennen zu wenige Arzneien ihrem genauen Wesen nach. Masi beschäftigte sich auch mit weniger bekannten Mitteln (Oligochresten) und entwickelte eine wissenschaftliche Methode, um – jenseits tradierter Arzneimittelbilder und Essenzen – zu einem neuen Verständnis des Wesens der erforschten Arzneien zu gelangen. Die wichtigsten Elemente dieser Methode sind: Rückkehr zu den Quellen (Wortlaut der Arzneimittelprüfungssymptome), Themenbildung abgeleitet aus der Gesamtheit aller Prüfungssymptome, Beizug von Symbolik, Wissen über die Substanz, Linguistik usw., Essenzbildung mittels der scholastischen Philosophie des Thomas von Aquin und der Theorie der Primärpsora, die auf der Idee eines spirituellen Mangels beruht. ![]() Seminarteilnehmer / Kalium carb. / Febr. 2007 Im September 2006 veranstaltete die IG ein Theorie- und Methodik-Seminar in der Toscana. Das Ziel dieses Seminars war es, Klarheit über methodologische Probleme zu schaffen und die Ausformulierung der Methode zu realisieren. Dabei erkannten wir, dass die Methode, die wir ohne methodologisch-philosophische Reflexion in den Seminarien von 1997 bis 2006 entwickelt haben, in der phänomenologischen Philosophie exakt beschrieben wird. Phänomenologie lässt sich kurz wie folgt zusammenfassen: Es ist der Versuch, Zugang zu einer Sache zu bekommen, – indem die Forschenden vom unmittelbar Gegebenen (Erscheinenden) ausgehen – ihre Subjektivität miteinbeziehen – sich Vorurteilen enthalten – die imaginative Variation anwenden (Beobachtung auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedener Perspektive) – das Wesen einer Sache beschreiben oder erklären. Die Erfahrungen aus unserer langjährigen Arzneimittelforschung zeigen, dass eine Substanz sich auf drei verschiedenen Ebenen ausdrücken kann: auf der Ebene der Substanz, auf der Ebene der Wirkung auf den Menschen und auf der Ebene der Symbolik und anderen Überlieferungen. Die dabei wahrnehmbaren Erscheinungen dieser drei Ebenen sind untereinander kohärent, entziehen sich aber jeder causalen Erklärung. Die in unserer Arbeit verwendeten Ebenen sind folgende: die Ebene der Substanz (chemische und physikalische Eigenschaften, Botanik, Zoologie); die Ebene der Arzneimittelprüfungen (Symptome beim Menschen); die Ebene des geisteswissenschaftlichen Materiales (Synonyma, Etymologie, Mythen und Geschichten). Man vergleiche dazu den Anhang über das praktische Vorgehen bei der Arzneimittelforschung. Die Wichtigkeit der Betrachtung der drei Ebenen wird u.a. durch die nachfolgenden Gedanken zur Bedeutung der Symptome erklärt. Die Symptome einer Arzneimittelprüfung sind Reaktionen der menschlichen Lebenskraft, die offensichtlich nicht nur in verschiedenen Bereichen wirkt (z.B. Wachstum, Fortpflanzung, Gefühlsbildung u.a.), sondern zusätzlich auch individuell verschieden reagieren kann (mit Tumorbildung oder Entzündung, Destruktion, Depression, Aggression usw.), so dass ein bestimmter Reiz auf die Lebenskraft eine unüberblickbare Fülle von verschiedenen Symptomen der menschlichen Pathologie bewirken kann und umgekehrt ein bestimmtes Symptom von den unterschiedlichsten Substanzen erzeugt werden kann. Der Schluss ist nahe liegend, dass die Ordnung nicht in den Symptomen gefunden werden kann und dass die Symptome eigentlich nur interpretiert und eingeordnet werden können, wenn das Wesen der Arznei bereits erkannt wurde. Ein weiteres Problem der Symptome liegt darin, dass Symptome meist nur eine Pathologie ausdrücken. Die philosophische Erkenntnis, dass das Böse (Pathologie) lediglich ein Mangel an Gutem (Gesundheit) ist, macht deutlich, dass die Pathologie allein nicht geeignet ist, das Wesen einer Arznei zu beschreiben. Das Arzneimittelbild muss vielmehr als Teilaspekt der Gesundheit verstanden werden können, so wie die Substanz selber ja auch ein „Sein“ und nicht ein „Mangel“ auf Erden ist. Zur Überwindung dieser eben geschilderten Schwierigkeiten haben sich während unserer Arbeit folgende methodische Ansätze bewährt, die im Wesentlichen den Forderungen der phänomenologischen Forschung entsprechen. 1. Die Erscheinungen einer Substanz auf den drei Ebenen werden als gleichwertige Informationen betrachtet und gleichzeitig betrachtet. 2. Das Ordnen der gesammelten Symptome, Signaturen und Überlieferungen zu Themen muss als Gruppenprozess durchgeführt werden. Dadurch kann die Ebene des subjektiven Erlebens multipliziert werden, was zusätzliche Schnittstellen der Variation ergibt. Die Zusammenarbeit in der Gruppe von mehreren Menschen hat sich bei der Erforschung eines Arzneimittels in vielen Beziehungen als besonders fruchtbar erwiesen. Die Gemeinschaft hat ihrem Wesen nach die Möglichkeit, individuelle Lieblingsthemen, Anschauungen und Meinungen (blinder Fleck) zu hinterfragen und nötigenfalls immer wieder aufzulösen. Die erneute Formulierung muss dann allerdings wieder vom einzelnen Menschen vorgenommen werden, so dass in der Gruppe ein Gleichgewicht der Gemeinschaft und Individualität angestrebt werden muss. Die Gruppenarbeit hat zudem deutlich gemacht, dass es in der Forschung unabdingbar ist, sich auf klar definierte Grundlagen beziehen zu können. Dazu gehören nicht nur die Definitionen der Begriffe, sondern auch die eines Menschen- und Weltbildes. Die Erkenntnis, dass die Symptome nicht nur in sich auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene beim Menschen, sondern auch mit den Signaturen (der Minerale, Pflanzen und Tiere) in der Natur kohärent sind, legt ein Welt- und Menschenbild nahe, in dem die Substanz ein Teil des Menschen darstellt. So haben die bisher erforschten Arzneimittel immer einen ganz bestimmten Aspekt des menschlichen Daseins dargestellt, eine Voraussetzung, die beim Menschen erfüllt sein muss. Die Substanz selber verkörpert diesen Aspekt in vollkommener Art und Weise; der kranke Mensch drückt ihn als Gesundheit oder als Pathologie aus. 3. Das intuitive Denken erhält neben dem kausal-analytischen Denken gleichwertigen Raum. Abhängig vom Wesen eines Bildes und im Unterschied zum Gegenstand erfolgt das Erkennen des Arzneimittelbildes nicht linear entlang der gefundenen Fakten, sondern ist geprägt von einem stetigen Wechsel zwischen Erfassen und Auflösen, einem Ausformulieren und Verwerfen des angestrebten Bildes. Auch hier hält die Gruppe von verschiedenen Menschen den Prozess in Gang. Für das Verständnis dieses Prozesses kann auf die Monographie über das Kochsalz (Natrium muriaticum) verwiesen werden, denn es entspricht dem “solve et coagula”, dem fortschreitenden Prozess von Auflösen und Ordnen. Hier zeigt sich auch deutlich das Grundproblem jedes konkreten Festhaltens und Ausformulierens eines Wesenhaften: Der Begriff ist beschränkt und entspricht nur der halben Wahrheit, jedoch ohne Begriff kann das Wesen nicht erfasst und vermittelt werden. Das Wesen kann nicht in einem gemeinsamen, auf einem Gruppenkonsens beruhenden Text beschrieben werden, weil es auf dem intentionalen Bewusstseinsakt eines jeden einzelnen Subjektes basiert. Worüber jedoch sinnvollerweise ein Konsens erzielt wird, sind die Themengruppen. Sie legen ein grobes Rohmuster, von dem aus die einzelnen Forschenden ihre individuelle Wesensbeschreibung herleiten können. Aus diesen Gründen wird auf eine zusammenfassende Ausformulierung des Wesens innerhalb der Gruppe verzichtet und die einzelnen Berichte nebeneinander stehen gelassen. Praktisches Vorgehen bei der Arzneimittelforschung 1. Erste Begegnung mit der Substanz Aufsuchen der Substanz (falls möglich in der Natur) Betrachtung der Substanz Beschreibung der Substanz Genaue Beschreibung und Herkunft der für die Verreibung verwendeten Substanz Anschließend Verreibeprüfung mit diesem Material bis zur C3 (ev. C4). Gemeinsames Aufschreiben des während der Verreibung Erlebten, wobei die Äußerungen unzensuriert geäußert und möglichst wörtlich aufgenommen werden. 2. Betrachtung des naturwissenschaftlichen Materiales (Materia physica) Vorkommen, Morphologie, Stellung in der Evolution, Verhalten, physikalisch-chemische Eigenschaften, Verwendung usw. Auffälliges, Spezielles, Individuelles der Substanz erfassen und diese Stichworte in der Themenliste der Materia physica festhalten 3. Betrachtung des geisteswissenschaftlichen Materiales Namen der Substanz und deren jeweilige Bedeutung, Mythologie, andere Geschichten oder Überlieferungen, Sprichworte, Bibelzitate, Symbole und deren Bedeutung, alchemistische Betrachtung usw. Erstellen der geisteswissenschaftlichen Themenliste mittels der auffälligen Begriffe 4. Erstellen der Themenliste der Materia medica Protokoll der Verreibeprüfung Themen aus bekannten homöopathischen Arzneimittelprüfungen Toxikologie Andere medizinische Quellen Erstellen der Themenliste der Materia medica aus den medizinisch-toxikologischen Quellen 5. Bildung der Themengruppen Die Themengruppen werden aus dem naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Material und aus der Themenliste der Materia medica erstellt. Eine Themengruppe ist eine Zusammenfassung von Themen, welche in sich wesensverwandt sind. Die Erstellung des Zusammenhanges muss unvoreingenommen und im Konsens der ganzen Gruppe erfolgen. 6. Synthese Versuch, die einzelnen Themengruppen miteinander zu verbinden im „Solve et coagula“-Prozess. Stehenlassen der Betrachtungen der einzelnen Teilnehmer nebeneinander. Die Synthese sollte dem Leser ermöglichen, den erlebten Prozess in der Gruppe nachvollziehen zu können.
Pierre Strub, Kontakt-Website: www.IGEH.ch |
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Erlebnisberichte der Phosphorverreibung
Geschrieben von Dr. P. Strub und Dr. J. Hodel Für die Herstellung des potenzierten Arzneimittels Phorsphor wird der weiße Phosphor verwendet. Meine ersten Versuche, Phosphor direkt in seiner weißes Konfiguration zu erwerben, wurden schnell und fast vorwurfsvoll abgewiesen, sodass ich mich bald nicht mehr getraute, weiter danach zu fragen. Es war als hätten alle eine Warnung aus dem Internet gelesen: ![]() Phosphor Bin ich denn ein Anfänger? Ich bestellte also selbstsicher und mit einer gut gespielten Selbstverständlichkeit gleich 100g, diesmal des roten Phosphors, über eine Apotheke, die mir mit der gleichen Selbstverständlichkeit den bunt mit Warnsymbolen beklebten Behälter aushändigte, als ob ich 100g Kochsalz bestellt hätte. Ich war glücklich und enttäuscht zugleich. Im Freien stellte ich die Utensilien für mein Vorhaben, den roten Phosphor in den weißen zu überführen, zusammen: Bunsenbrenner, gekrümmtes Reagenzglas, Stativ, ein großes Becken mit Wasser, eine Schale mit Kupfersulfatlösung. Zudem Handschuhe, Schutzbrille, alte Kleider und eine Mütze. In voller Montur wollte ich beginnen, den Phosphor im Reagenzglas zu erhitzen, doch ich hatte die Zündhölzchen, um den Bunsenbrenner zu entzünden, im Haus vergessen. Also Handschuhe, Schutzbrille und Mütze ausziehen und Beginn von vorne! In der Hitze der Gasflamme beobachtete ich nun endlich, wie der rote Phosphor langsam unter Rauchentwicklung zu schmelzen begann, dann durchglühte er wie von einem Lauffeuer erfasst von oben nach unten, um sogleich wieder zu erlöschen. Ich hatte Herzklopfen. Während ich weiter erhitzte, schlug sich allmählich ein gelblicher Belag am vorderen, nicht erhitzten Schenkel des Reagenzglases nieder; es sammelte sich dort eine flüssige, durchscheinende Masse! Ich verspürte ein Gefühl der Freude und des Triumphes in mir und merkte erst nach dem Abdrehen des Bunsenbrenners, dass ich die ganze Zeit unter einer ungeheuren Anspannung und Angst gestanden hatte, es könnte jederzeit etwas Verheerendes geschehen. Sorgfältig löste ich die erstarrte gelbe Masse aus dem Reagenzglas und verschloss meinen Schatz in einem mit Wasser gefüllten Glasgefäß. Ich konnte die Nacht kaum erwarten, um das berühmte Phosphorleuchten meiner gewonnenen Substanz zu sehen. Doch das kleine abgetrennte Stückchen auf dem Fließpapier enttäuschte mich sehr mit seinem unscheinbaren und kaum wahrnehmbaren Leuchten. Nach einem Weilchen begann es dann allerdings zu rauchen, um sich unerwartet von selbst mit heller Flamme zu entzünden und gleich wieder zu verlöschen. Dann gewöhnten sich meine Augen wieder an die Nacht und ich entdeckte plötzlich ein schwaches, gespenstiges Leuchten im Garten. Mein zurückgelassenes Reagenzglas leuchtete in einem grünlichen Glanz still vor sich hin. Voller Begeisterung rief ich die ganze Familie zusammen, um stolz mein Zauberwerk vorzustellen. Wärmte ich das Glas in meinen Händen, wurde das kalte Leuchten intensiver und schien die ganze Umgebung durchsichtig zu machen. Dankbar erntete ich die Bewunderung und das Staunen meines Publikums. ![]() Verreiben von Kalium carbonicum 02/2007 Abends, nach getaner Arbeit der Protokollierung der Verreibungssymptome, saßen wir dann noch lange zusammen, sangen bis spät in die Nacht Lieder über die Liebe, das Leben und wieder über die Liebe. Erst in den frühen Morgenstunden mochten wir die intensiv erlebte Verbundenheit und Geselligkeit verlassen und der Müdigkeit nachgeben.
Dieses Gestirn der Unübersehbaren, die, versehen mit dem Ausdehnungskoeffizienten der Unendlichkeit, leicht zu Unüberschaubaren werden, weist hin auf das erkenntistheoretische Axiom unserer Arbeit in der homöopathischen Arzneimittelforschung. Auf seinem Grund ankert eine phänomenologische, sokratische Betrachtungsweise der Substanz in ihrer Erscheinungs- und Wirkungsform, ausgehend von einem vorurteilslosen Betrachter auf der einen Seite, hingerichtet auf ein unmittelbar Gegebenes vor jeglicher Erfahrung auf der anderen Seite. Der anschauenden Urteilskraft soll das Geheimnis des Dinges sich aussprechen, anlehnend an Goethes Mahnung: „Man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre!“ Dieser Grundeinstellung offenbart sich die Substanz in ihrer paracelsischen Struktur als ein Oberes, Mittleres und Unteres oder, Theophrastisch ausgedrückt: als Sulfur, Mercur und Sal. Dieser Grundeinstellung offenbart sich auch der Mensch in seiner Dreieinigkeit, wenn er sich der Substanz in der Prüfung hingibt. Es entsteht in der gegenseitigen Bebilderung beider Triaden Ausdruck und Aussprache. In dieser nach Oben erweiterten Wahrnehmungs- und Denk-Atmosphäre wird ein Seminarleiter der Phosphorverreibung zum Alchemisten, die Seminarteilnehmer zu Suchern nach dem Stein der Weisen, die Selbstentzündlichkeit des Phosphors zur zündenden, wesenhaften Idee, die grüne Lumineszenz zum Rätsel. phänomenologischen Betrachtungen, vermischt mit ersten keimenden, imaginativen Bewusstseinsanstrengungen mutiert der Phosphorstoff zum Denkanreger, zum Lichtbringer, Verschmelzer oder Grenzenmissachter. Unbescheiden ist nur unser Bemühen: sich zu lösen von den Fesseln angeborener Denkeinschränkung und anerzogener Doppelblindheit, um sich dem goetheanistischen Schauen übend zu verbinden im Urlicht der drei Unübersehbaren.
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Phosphor: in der Ambivalenz von Licht und Schatten
Geschrieben von Dr. M. M. Hadulla und T. A. Pfeil Etymologie Phosphor wörtlich übersetzt aus dem Altgriechischen heißt: Phos-pherrein = „Licht tragen“ – Lichtträger und in der latinisierten Form Lux ferrein (Luzifer), ebenfalls „Licht tragen“ – Lichtträger. ![]() Streichhölzer enth. roten Phosphor „Phosphor-Persönlichkeiten strahlen Liebenswürdigkeit und Liebe aus, suchen aber auch nach Liebe. Sie sind aufregend, haben ein anziehendes Wesen und fesseln ihre Umgebung. Man verfällt ihnen unter Umständen mit „Haut und Haaren". Sie sind sehr intelligent, sprühend, äußerst wach, sportlich. Abends sind sie in der leicht abgedunkelten Bar zu finden, wo sie ihre langen blonden Haare im Takt der Musik wiegen und mittels eines oft sehr schönen Körpers Männer bzw. Frauen „angeln". Phosphor-Menschen in jungen Jahren scheinen manchmal „Angelhaken des Teufels" zu sein ... Phosphor-Persönlichkeiten sind äußerst sensibel und einfühlsam, können sich genau auf ihr Gegenüber einstellen und ... sie verhalten sich rücksichtsvoll, überaus großzügig und sehr hilfsbereit... extrovertiert und haben aufgrund ihrer Unterhaltsamkeit, Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft sehr viele Freunde. Kritik äußern sie kaum. Kleine Schwächen sind für den Außenstehenden eher amüsant und werden durch die beständig gute Laune von Phosphorus akzeptiert... Die natürliche Offenheit bereitet großes Vergnügen, und die ausgestrahlte Wärme wird an andere weitergegeben. Herzlichkeit, Sensibilität und das Talent, auch andere aufgrund ihrer so guten „Gottesgaben" zu loben, bringen den Phosphor-Menschen Dankbarkeit und Freude ein". Phosphor hat sicher die hier so schön beschriebenen Charakterzüge. Eine Phosphor-Persönlichkeit kann aber auch das Gegenteil darstellen, furchtbar niedergeschlagen, depressiv, verhärmt und gleichsam ausgebrannt sein. „Diese Trostlosigkeit, die sich bis zu einer Abscheu vor dem Leben steigern kann, führt zu tiefster Verzweiflung, die durch unaufhörliches Weinen und tiefe Depressionen geprägt ist. In diesen Phasen besteht auch Suizidgefahr... Zeigt sich die Schattenseite des Lebens nicht in jungen Jahren durch Enttäuschungen, erfährt Phosphorus sie sicher im Alter, wenn er der Jugend weichen muß." Diese Ambivalenz zwischen Licht und Schatten tritt somit schon durch die Namensgebung in Erscheinung. Chemie, Vorkommen und Anwendung von Phosphor ![]() Phosphor in der Ambivalenz von Licht und Schatten in der kompensierten (+) und dekompensierten (-) Form, z.T. in ihren gegenseitigen Entsprechungen (© Hadulla/Richter) Der Phosphor kommt in der Natur nicht in reiner Form, sondern als phosphorsaure Salze vor, meistens als Kalziumsalz, dem Hauptbestandteil der Mineralien: Apatit, Osteolith, Phosphorit. Auch die Knochen enthalten große Mengen von Kalziumphosphat. Organisch gebunden findet sich der Phosphor im Eigelb und in der Hirn- und Nervensubstanz als Lezithin. Früher fand der gelbe Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern Verwendung. Wegen seiner Giftigkeit wurde dies durch das Reichsgesetz im Jahre 1908 verboten. Auch bei den chemischen Kampfstoffen (Phosphor ist einer der besten Nebelbildner) fand er Anwendung sowie leider auch als Brandbomben, insbesondere bei der Anwendung durch die Engländer gegen Deutschlands Städte im 2. Weltkrieg. Arzneimittelbild Der berühmte amerikanische Homöopath und C. G. JUNG-Schüler E. C. Whitmont (8) hat in diesem Zusammenhang den Geisteszustand von Phosphor mit einem inneren „Zwielicht" verglichen: „Ein Wechsel zwischen hellem Bewusstsein und Strahlen (Licht) in Gesellschaft und zwischen Gedrücktheit und Erschöpfungen (Dunkel) bei Alleinsein." Auch in unserer grafischen Darstellung von Phosphor (Abb.1) haben wir versucht, dieses Wesen herauszuarbeiten: „Im Zentrums-Kern der Phosphorpersönlichkeit stehen Leben und Helligkeit auf der einen Seite und auf der anderen Seite Asche und Dunkelheit, damit verbunden im Positiven „Verlangen nach Gesellschaft und Liebe" und im Negativen „Abhängigkeit von Gesellschaft und Liebe.” Im oberen Teil von Abb. 1 sind dann die für Phosphor charakteristischen (positiven)-kompensierten Eigenschaften angeführt wie: Vitalität – Heiterkeit (1) Dabei sind die Wertigkeiten aus dem Repertorium – falls vorhanden – in Klammern gesetzt. Vitalität, Ausgelassenheit (1) – Erschöpfung (3) Wenn Sie diese Abbildung länger betrachten, erkennen Sie noch mehr: Es ist ein Kreis, ein ursprünglich Ungesondertes, eine Einheit. Sie erinnert uns daran, dass auch Luzifer zunächst ein Engel Gottes war und sogar als einer der mächtigsten Erzengel an seiner Seite stand. Vor seinem Fall befand sich Luzifer noch in der Einheit mit Gott, und eine Aufspaltung zwischen Gut und Böse, zwischen Hell und Dunkel, war noch nicht eingetreten. Kompensierte Ausgestaltung von Phosphor Dazu das Symptom Nr.60 aus S. Hahnemanns Arzneiprüfung (7). Am auffälligsten sind die Augen. Große Augen mit langen Wimpern, wie man sie bei kleineren Kindern manchmal findet und die zur sofortigen Sympathie zwingen. Darüber hinaus sind diese Kinder munter, anmutig, mit einem natürlichen Charme und Flair ausgestattet, der bei günstigen Lebensumständen selbst im Alter nicht verfliegt. Aus S. Hahnemanns (7) AMP das Symptom 75 : Dieses schöne Äußere spiegelt ein angenehmes Inneres wider. Doch nicht nur das Äußere dieser Patienten ist angenehm, die Phosphor-Menschen sind feinfühlig für die Empfindung anderer Menschen, sie sind gerne bereit, mit ihrem Gegenüber in lebhaften Kontakt zu treten, mit dem anderen in Freud und Leid mitzuschwingen; sie freuen sich mit dem, der sich freut, und leiden mit dem, der leidet. Dabei ist der Phosphor-Mensch ein guter, wenn auch sprunghafter Unterhalter, ausgestattet mit guter Laune und Optimismus; wenn auch nicht mit den pointiertesten Witzen, so besticht er besonders durch sein humorvolles Wesen. Humorvoll heißt in diesem Zusammenhang, dass man nicht nur über die anderen – das könnte ja Häme sein –, sondern auch über sich lachen kann. Wo z. B. der Calcium-carbonicum- oder insbesondere der Natrium-muriaticum-Patient sich schon verletzt fühlt und gekränkt ist, empfindet sich der Phosphoriker auch noch im schärferen Witz beachtet, wertgeschätzt und lacht mit. Dabei ist Phosphor keineswegs leicht und oberflächlich , sondern tröstet gerne andere, findet dabei die richtige Tonlage und Stimmungen mit Worten und Gesten. Er fasst sein Gegenüber gerne in der direkten Rede an, und sein Gegenüber lässt sich häufig auch gerne anfassen. So überrascht es dann auch nicht, wenn wir in der Materia medica finden: Fühlt sich besser, wenn er „gerieben, berührt, angefasst und massiert" wird. S. Hahnemann (7) schreibt gleich zu Beginn seiner Ausführungen zu Phosphor: Dieses Zitat belegt, dass Hahnemann auch andere Heilmethoden neben seiner Homöopathie anwandte bzw. wertschätzte. Ganz im Gegensatz zu vielen seiner modernen Nachfolger, die sich häufig päpstlicher als der Papst geben. In gewisser Verbindung zu diesem Wunsch, magnetisiert zu werden, stehen bei Phosphor auch die übersinnlich-telepathischen Fähigkeiten, die häufig bemerkenswert gut ausgeprägt sind. Dekompensierte Ausgestaltung von Phosphor Als Folgen zeigen sich Überempfindlichkeit, Verletzbarkeit, Misstrauen, des weiteren treten zahlreiche Ängste auf, die sich bis zur schweren Depression, ja bis zum Suizid steigern können (siehe hierzu Abb. 1; „Angst, Furcht"). Auch im körperlichen Bereich zeigen sich dann negative Eigenschaften: Einmal fällt auf, dass die Phosphor-Patienten bei zunehmender Belastung oder auch nur bei größeren Anforderungen auf einmal unruhig, zunehmend hektisch, fahrig werden können. Parallel zu geistigen Erschöpfungen brechen sie auch körperlich zusammen. Ein Hinweis auf diese verminderte körperliche Belastbarkeit der Phosphor-Patienten, auch schon der Kinder, ist, dass sie ihren „Mittagsschlaf" einfach brauchen, um Energie aufzutanken. Der impulsive Phosphor-Patient wird bei Überlastung – weil er nichts versäumen oder allen zu gefallen und gefällig zu sein will – fahrig, nervös und hektisch. Parallel zu diesem Hektisch-Fahrigen, Nervösen, oder nennen wir es auch mit einem gewissen äußeren Zwang „Paroxystischen", zeigt sich eine auffallende Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, strengen Gerüchen und hellem Licht. Umgangssprachlich könnte man sagen: alles geht unter die Haut, alles geht auf die „Nerven". Bei J. H. Clarke (1) ist zu lesen: Neben dieser beschriebenen Exzitabilität, Impressionabilität und Hyperästhesie findet sich eine Reihe weiterer negativer Eigenschaften. So führten wir an anderer Stelle (5) hierzu aus: ![]() Georges de la Tour: Die büßende Magdalenda „Traurig, bang, kleinmüthig. Angst, Bangigkeit, als sey ihr leid um Etwas, öfter wiederkehrend. Aengstlichkeit und Hitze im Kopfe, mit heissen, rothen Händen, öfters wiederkehrend und im Stehen scheinbar erleichtert. Aengstliche Beklommenheit. Angst zuweilen, Abends, wie zum Sterben. Bangigkeit, wie Ahnung von Unglück. Viel Beängstigungen, Abends. Aengstlich besorgt, wegen unglücklichen Ausgangs ihrer Krankheit. Angst und innere Unruhe, ohne erdenklichen Grund. Aengstlichkeit und Unruhe, mit viel Stirn-Schweiss und Hitze im Kopfe. Unruhe im Kopfe, Vormittags. Unruhe. Unruhig bei Gewittern. große Unruhe. Furchtsamkeit und Grauen, Abends. Grausige Furchtsamkeit, Abends spät, als sähe aus jedem Winkel ein grässliches Gesicht hervor. große Aengstlichkeit und Reizbarkeit beim Alleinseyn. Aengstlichkeit-Anfälle, wie unter der linken Brust, was sie so peinigt, dass sie am ganzen Körper zittert, dabei zuweilen bittres Aufstossen und Herzklopfen. Lebens-Überdruss." Diese Ängste können dann bis in die Nacht, ja bis in die Träume hinein gehen, so findet sich hier schlechter Schlaf (s. S. Hahnemann, der ca. 60 Traum- und Schlafsymptome aufführt). Im einzelnen können die Träume wie folgt geprägt sein: Wir zeigten, dass Phosphor nicht nur der „Strahlemann“ sein kann – ja, die homöopathischen Arzneien wäre nicht von dieser Welt wenn sie nur eine Seite verkörpern würden – alles ist polar angelegt, auch die Homöopathie (siehe Abb.). Gut dokumentierte Phosphorus-Kasuistiken findet man in der aktuellen Literatur [3]. Wer noch tiefer in Wesen und Essenz der homöopathischen Arzneien einsteigen möchte, dem sei unsere Literatur ans Herz gelegt [4]. De. Michael HadullaHeiliggeiststrasse 9 69117 Heidelberg Timo A. Pfeil (HP)Heiliggeiststrasse 9 69117 Heidelberg Literatur |